… ein provokanter Auftakt zum Welthospiztag in Stralsund:

Hin und wieder hielt (wie an so vielen Samstagen auch) ein feierlich geschmücktes Hochzeitsauto vor dem Stralsunder Rathaus – ein Gefühl von Glück und Freude funkte auf… Doch nicht weit entfernt von dem Geschehen stand ein mit Luftballons geschmückter Sarg. Welten treffen aufeinander – krasser können Gegensätze nicht dargestellt werden, wenn vielleicht auch nicht so direkt beabsichtigt.

Einige Vorbeieilende schüttelten empört und mit Unverständnis den Kopf, viele Menschen jedoch blieben stehen, mitunter etwas irritiert und doch neugierig.

Unter dem Motto „Ene mene muh und tot bist du – gestorben wird immer, darüber gesprochen zu wenig“ haben sich die Organisatoren unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Dr. Alexander Badrow mit einem beeindruckenden Programm Gedanken zu den Themen Sterben, Tod und Trauer gemacht.
Dafür stellte er die Räumlichkeiten des Stralsunder Rathauses zur Verfügung.
Aus seinem Grußwort konnte man folgendes entnehmen:
„ …warum wird über das Sterben und den Tod nicht gesprochen? Ich habe Antwort gefunden bei Winston Churchill: Es braucht Mut, aufzustehen und zu sprechen. Es
braucht aber auch Mut, sich hinzusetzen und zuzuhören. …auch ich habe für mich erkannt, wie wichtig es ist zuzuhören – Ihnen zuzuhören. Zugegeben, es hat eine Zeit gebraucht, bis ich mich auf das Thema Hospiz einlassen konnte, jetzt aber – nach unseren Gesprächen – ist es für mich greifbarer geworden. Und es ist mir wichtig! Ich teile meine Hochachtung und meinen Respekt vor den Leistungen der hauptberuflichen Mitarbeiter und besonders der ehrenamtlich Tätigen ganz sicher mit den meisten Menschen.“

Im Rathaus wurden Expertenvorträge angeboten, z.B. „Selbstbestimmt Leben – Selbstbestimmt Sterben“ mit einer spannenden Podiumsdiskussion zur derzeitigen (politischen) Debatte um die Sterbehilfe. Neben der Darstellung „Der Tod“, ein in Szene gesetztes Hörstück im Rathausdurchgang wurden auch Trauerrituale und deren Begleitung, Bestattungsmöglichkeiten, Angebote der Hospiz- und Palliativdienste, Vorsorgemöglichkeiten und Patientenverfügung vorgestellt.

Auch der Ambulante Kinderhospizdienst Leuchtturm war vertreten, Katy Lorenschat wurde von Anfang an in die Organisation eingebunden und unsere Familienbegleiterin Antje Hohenegger moderierte mit Unterstützung von betroffenen Angehörigen einen Trauer-Workshop, bei dem sich auch Kinder aktiv beteiligten. Ein Sarg wurde bemalt und mit
Schleifen und Kerzen geschmückt. Diesen kann sich jeder nun im Ausstellungsraum des Stralsunder Bestattungshauses Kallwaß ansehen.

Abgerundet wurde der Welthospiztag in Stralsund mit einem großartigen Konzert; sechs Gospelchöre aus dem Kirchensprengel Mecklenburg und Pommern begeisterten mehr als drei Stunden mit wunderschönen Liedern.

Ein Fazit dieser Veranstaltung ist: Kinder haben viel weniger Berührungsängste und Erwachsene sollten sich viel mehr trauen. Jeder sollte seinen ganz eigenen Standpunkt zur Endlichkeit des Lebens zu finden, denn „Gestorben wird immer, wir müssen darüber reden!“

Organisatoren, Mitwirkende, Helfer und Sponsoren:
Hansestadt Stralsund und Oberbürgermeister Dr. Alexander Badrow, Ambulanter Hospizdienstes der Caritas, Stralsunder Hospizverein e.V., Hinterbliebene, Referenten und Moderatoren, Marketingagentur Edelmarke, Performe(d)ance e.V., Druck Kruse, Störtebeker Braumanufaktur, Zisch Getränkemarkt, kirchliche Buchhandlung, Bestattungshaus Kallwaß, Bestattungshaus Melahn, Lebenszeit e.V. – Förderverein für ambulante Palliativversorgung Stralsund, Förderverein Stationäres Hospiz Stralsund e.V., Wohlfahrtseinrichtungen der Hansestadt Stralsund, KISS, Förderverein Kinderhospiz Leuchtturm e.V., Ambulanter Kinderhospizdienst Leuchtturm, Kreisdiakonisches Werk Stralsund e.V., Ambulanter Kinderhospizdienst Oskar, Soziales Bündnis für Familie, städtische Friedhofsverwaltung, Betreuungsbehörde des Landkreises Vorpommern-Rügen, Bündnis 90/Die Grünen, Birth-Stiftung, die Spaßmacher, Musikschule der Hansestadt Stralsund, Mitarbeiter des Rathauses der Hansestadt Stralsund