Ch. KämmererIch bin 43 Jahre alt, habe einen 22jährigen Sohn und bin ein Kind der Insel Usedom. Vor zwei Jahren schien für mich der Moment gekommen zu sein, den alle von uns irgendwann ertragen müssen oder bereits erlebt haben, einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben stand an der Schwelle zwischen Leben und Tod. Meine Mutter.

Tage und Nächte waren bestimmt von Ohnmacht, Traurigkeit, Hoffnung und Hoffnungslosigkeit. Durch viele Gespräche über das Leben am Lebensende, über Verlust und Ängste, verlor ich die Angst und konnte meine Mutter im Kampf gegen Krebstumor und die Begleiterscheinungen der Chemotherapie unterstützen.

Wann immer es die Zeit erlaubte lief ich.
Ich lief meine Angst in den Waldboden, in den Strandsand und in den Asphalt. Schon damals reifte in mir der Gedanke, etwas zu tun, nicht wenn es fast zu spät ist sondern sehr viel früher. Für Menschen in einer besonderen Notlage, für die Menschen, die vom Schicksal nicht verwöhnt wurden.
In einer Lebensphase in meiner Wahlheimat Hamburg hatte ich viel über das Projekt „Sternenbrücke“, ein stationäres Kinderhospiz, gehört, dass von vielen zum Teil prominenten Leuten unterstützt wurde und wird.
Und so machte ich mich auf die Suche nach einem ähnlichen Projekt hier in der Region und fand den Ambulanten Kinderhospizdienst „Leuchtturm“ mit Sitz in Greifswald.
Unseren ersten Weihnachtsmützenlauf, der als Bewegungs-Event ein Pendant zum üblichen Weihnachtsprogramm der Hotels und Kurverwaltungen werden sollte, verbanden wir mit diesem Spendenzweck.
Bei diesem ersten Lauf waren 69 Läufer und Walker am Start und wir konnten eine großartige Spendensumme von EUR 1.000,00 an den „Leuchtturm“ übergeben.
Inzwischen sind die monatlichen Lauf- und Walkingveranstaltungen der Laufmützen Usedom nicht mehr von der Insel wegzudenken.
Immer mehr Bewegungsbegeisterte schließen sich uns an und laufen sich die Insel ans Herz, zusammen statt alleine und an wunderschönen Orten dieser Insel, die einem immer wieder bewusst machen, welch ein Privileg es ist, hier leben zu dürfen. Durch ständig wechselnde Strecken und unterschiedlichste Gastgeber lernen Insulaner und Inselbesucher diesen herrlichen wasserumspülten Erdflecken auf besondere Art kennen und lieben.

Es ist nicht nur die Gemeinsamkeit, sich bei Wind und Wetter bewegen zu wollen, nein, es ist vor allem der Gedanke Gutes zu tun, für sich und für Familien die totkranke Kinder haben.
Für Familien, deren ständiger Begleiter die Angst vor dem Tod und dem Verlust des Kindes ist.
Beziehungen, die nur einen Focus haben, das gemeinsame Ertragen der Sorgen, der Ängste und der körperlichen und finanziellen Belastungen.
Geschwisterkinder, für die leider keine Zeit bleibt, Geschichten vorzulesen, Legowelten zu bauen, ins Kino zu gehen oder die Klassenfahrt zu begleiten.

Wir unterstützen mit unseren Startgeldern den Ambulanten Kinderhospizdienst „Leuchtturm“ e.V. , dessen ganz großes Ziel es ist, ein stationäres Kinderhospiz in MV aufzubauen.

Dafür sind allerdings ganz viele Spenden nötig, da die Krankenkassen nur einen geringen Teil der Kosten tragen. Bis dahin sind die ehrenamtlichen Betreuer ambulant unterwegs und betreuen Familien mit lebenszeitlimitiert erkrankten Kindern in psychologisch und palliativer Hinsicht, schaffen Freiräume für Eltern, nehmen sich Zeit für die Geschwisterkinder und leisten Trauerarbeit. Nicht nur für Familien, die ihr lang erkranktes Kind verlieren sondern auch für Kinder, deren Mama oder Papa gestorben ist.

Es ist die Hilfe in finanzieller Form zum einen aber auch die Aufklärungsarbeit die wir leisten können, den Mut aufbringen über Tabuthemen zu reden, anderen helfen, mit Verlustängsten klarzukommen und betroffenen Familien zeigen, dass es Hilfe und Unterstützung in fast ausweglosen Situationen gibt.

Ganz viele liebe Grüße
Christina Kämmerer